nur für geduldige Leser, was für zwischendurch, aber nichtsdestotrotz : manche Märchen werden wahr wb

Das Weihnachtsmärchen 2005

Frei nach den Gebrüdern Grimm

Es war einmal ein BEK-Vorsitzender, der hatte einen Chirurgen, welcher schon lange Jahre unverdrossen die Patienten versorgt hatte. Nun aber gingen die Kräfte des Chirurgen zu Ende, so daß er zur Arbeit nicht mehr taugte. Da dachte der BEK-Vorsitzende daran, ihn zu entsorgen. Aber der Chirurg merkte, daß sein Kassenchef etwas Böses im Sinn hatte, lief fort und machte sich auf den Weg nach Berlin. Dort, so meinte er, könnte er ja Stadtmusikant werden.

Als er schon eine Weile gegangen war, fand er einen Internisten am Wege liegen, der jämmerlich heulte. "Warum heulst du denn so?" fragte der Chirurg "Ach", sagte der Internist, "weil ich alt bin, jeden Tag schwächer werde und auch keine Lust auch Bürokratie und DMPs mehr habe, wollte mich mein KV-Vorsitzender sozialverträglich entsorgen. Da hab ich Reißaus genommen. Aber womit soll ich nun mein Brot verdienen?" "Weißt du, was", sprach der Chirurg, "ich gehe nach Berlin und werde dort Stadtmusikant. Komm mit mir und laß dich auch bei der Musik annehmen. Ich spiele die Laute, und du schlägst die Pauken." Der Internist war einverstanden, und sie gingen mitsammen weiter.

Es dauerte nicht lange, da sahen sie einen Allgemeinmediziner am Wege sitzen, der machte ein Gesicht wie drei Tage Regenwetter. "Was ist denn dir in die Quere gekommen, alter Bartputzer?" fragte der Chirurg. "Wer kann da lustig sein, wenn's einem an den Kragen geht", antwortete der Allgemeinmediziner. Mein Computer ist abgestürzt, mußte alles mit der Hand abrechnen und habe nun einen Superregress am Hals. Nun ist guter Rat teuer. Wo soll ich jetzt hin?" "Geh mit uns nach Berlin! Du verstehst dich doch auf die Nachtmusik, da kannst du Stadtmusikant werden." Der Allgemeinmediziner hielt das für gut und ging mit.

Als die drei so miteinander gingen, kamen sie an einem Hof vorbei. Da saß der Anästhesist auf dem Tor und schrie aus Leibeskräften. "Du schreist einem durch Mark und Bein", sprach der Chirurg,"was hast du vor?" "Meine Gynäkologen wollen die Zulassung zurückgeben, aber die Anästhesisten wollen das ganz und gar nicht." "Ei was" sagte der Chirurg, "zieh lieber mit uns fort, wir gehen nach Berlin, etwas Besseres als die Kassenzulassung findest du überall. Du hast eine gute Stimme, und wenn wir mitsammen musizieren, wird es gar herrlich klingen." Dem Anästhesisten gefiel der Vorschlag, und sie gingen alle vier mitsammen fort.

Sie konnten aber die Stadt Berlin an einem Tag nicht erreichen und kamen abends in einen Wald, wo sie unter einem Baum übernachten mußten, da die letzten Abrechnungen so schlecht waren, konnten sie sich kein Hotel mehr leisten. Der Anästhesist stieg bis in den Wipfel eines Baumes, wo es am sichersten für ihn war. Ehe er einschlief, sah er sich noch einmal nach allen vier Windrichtungen um. Da bemerkte er einen Lichtschein.

Er sagte seinen Gefährten, daß in der Nähe ein Haus sein müsse, denn er sehe ein Licht. Der Chirurg antwortete: "So wollen wir uns aufmachen und noch hingehen, denn hier ist die Herberge schlecht." Der Internist meinte, eine gute Suppe täte ihm auch gut. Also machten sie sich auf den Weg nach der Gegend, wo das Licht war. Bald sahen sie es heller schimmern, und es wurde immer größer, bis sie vor ein hellerleuchtetes Räuberhaus kamen. Der Chirurg, näherte sich dem Fenster und schaute hinein. "Was siehst du ?" fragte der Anästhesist "Was ich sehe?" antwortete der Chirurg. "Einen gedeckten Tisch mit schönem Essen und Trinken, und rundherum sitzen alle Kassen- und KV-Vorsitzenden, Herr Klabauterbach und unsere Gesundheitsministerin und lassen sich's gutgehen!" "Das wäre etwas für uns", sprach der Anästhesist Da überlegten die Ärzte, wie sie es anfangen könnten, die Bewohner des Hauses hinauszujagen.

Endlich fanden sie ein Mittel. Der Chirurg stellte sich auf das Fenster, der Internist sprang auf des Chirurgens Rücken, die Allgemeinmediziner kletterte auf den Internisten, dann kletterte der Allgemeinmediziner auf den Rücken des Internisten und zuletzt stieg der Anästhesist hinauf und setzte sich auf die Schulter des Allgemeinmediziners. Als das geschehen war, fingen sie auf ein Zeichen an, ihre Musik zu machen: Sie schrieen und pfiffen auf Trillerpfeifen und machten einen Lärm, wie man es von noch nie gehört oder gesehen hatte, geschweige denn erwartet hatte. Darauf stürzten sie durch das Fenster in die Stube hinein, daß die Scheiben klirrten. Die Bewohner der Räuberhütte fuhren bei dem entsetzlichen Geschrei in die Höhe. Sie meinten, ein Gespenst käme herein, und flohen in größter Furcht in den Wald hinaus.

Nun setzten sie die vier Gesellen an den Tisch, und jeder aß nach Herzenslust von den Speisen, die ihm am besten schmeckten. Als sie fertig waren, löschten sie das Licht aus, und jeder suchte sich eine Schlafstätte nach seinem Geschmack in der Nähe des warmen Feuers. Und weil sie müde waren von ihrem langen Weg, schliefen sie bald ein.

Als Mitternacht vorbei war und die Räuber von weitem sahen, daß kein Licht mehr im Haus brannte und alles ruhig schien, sprach die Gesundheitsministerin: "Wir hätten uns doch nicht sollen ins Bockshorn jagen lassen." Sie schickte den Räuber Klabauterbach zurück, um nachzusehen, ob noch jemand im Hause wäre. Der Räuber fand alles still. Er ging in die Küche und wollte ein Licht anzünden. Da sah er die feurigen Augen des Allgemeinmediziners und meinte, es wären glühende Kohlen. Er hielt ein Schwefelhölzchen daran, daß es Feuer fangen sollte. Aber der Allgemeinmediziner vertrug keinen Spaß mehr, sprang ihm ins Gesicht und kratzte ihn aus Leibeskräften. Da erschrak er gewaltig und wollte zur Hintertür hinauslaufen. Aber der Internist, der da lag, sprang auf und schlug ihn vors Knie. Als der Räuber über den Hof am Misthaufen vorbeirannte, gab ihm der Chirurg noch einen tüchtigen Schlag mit dem Hinterfuß. Der Anästhesist aber, der von dem Lärm aus dem Schlaf geweckt worden war, rief ihm noch nach : laß dich hier nicht mehr blicken!"

Da lief der Räuber Klabauterbach, was er konnte, zu seiner Gesundheitsministerin zurück und sprach: "Ach, in dem Haus sitzt eine greuliche Hexe, die hat mich angehaucht und mir mit ihren langen Fingern das Gesicht zerkratzt. An der Tür steht ein Mann, der hat mir vors Knie getreten. Auf dem Hof liegt ein schwarzes Ungetüm, das hat mit einem Holzprügel auf mich losgeschlagen. Und oben auf dem Dache, da sitzt jemand, der rief: lass dich hier nicht mehr blicken!' Da machte ich, daß ich fortkam." Von nun an getrauten sich die Räuber nicht mehr in das Haus. Den Ärzten aber gefiel's darin so gut, daß sie nicht wieder hinaus wollten.

mit freundlicher Genehmigung des Autors Dr. med. Wolfgang von Bremen
zuerst veröffentlicht in www.facharzt.de