Aktionsrat Berliner Kassenärzte

Anton Rouwen

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Berlin, den 9. August 2001

Sehr geehrte Damen und Herren

Auf seiner Sitzung am 6.8.01 hat der Aktionsrat Berliner Kassenärzte beschlossen, die Berliner Ärzte und Psychotherapeuten zur Teilnahme an dem Aktionstag am 1. Oktober aufzurufen. Sie finden den Aufruf als Anlage hierzu.

Die hektische Betriebsamkeit von Krankenkassen, Pharmaindustrie und Gesundheitspolitikern aller Parteien in den letzten Wochen belegen eindrucksvoll die katastrophale Situation im Gesundheitswesen und den dringenden Reformbedarf. Die niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten sind nicht länger bereit, sich nur als Verursacher von Missständen anprangern zu lassen und weiterhin für völlig unzulängliche Honorare ihre verantwortungsvolle Arbeit machen zu müssen.

Besonders eindrucksvoll hat sich der Konflikt der Ärzte in den letzten Wochen an dem Problem einer verantwortungsvollen Therapie von Tumorkranken gezeigt, wo Ärzte zum Wohle ihrer Patienten auch teure Medikamente verschrieben haben, die bisher keine staatliche Zulassung haben, was dazu führt, dass die Ärzte jetzt die Therapie via Regress selber zahlen müssen und gezwungen werden, in Zukunft ihre Patienten im Stich zu lassen oder weiterhin selbst für die Therapie aufzukommen.

Dies sind die Folgen von rein monetär ausgerichteten Budgets. Alle Budgets müssen zwangsläufig zu Rationierung führen, deshalb fordern wir ihre Abschaffung und eine gerechte und kalkulierbare Gebühr für unsere Leisungen, die bundeseinheitlich in Euro zu bezahlen sind. Wir sind dann selbstverständlich bereit, unseren Patienten für diese Gebühr auch Rechnung zu legen!

Wir fordern weiterhin die Abschaffung des Kollektivregresses und weigern uns, das finanzielle Risiko für Innovationen und andere Therapieverbesserungen im medikamentösen Sektor auf unserem Rücken austragen zu lassen. Wir sind wie bisher bereit, Verantwortung für unsere Verordnungen zu übernehmen, vorausgesetzt, dass die übrigen Verantwortlichen in Krankenkassen und Politik dies auch tun.

Die politisch Verantwortlichen müssen sagen, welche Kranken sie von welchen Therapien ausschließen wollen, und die Funktionäre der Krankenkassen müssen ihren Versicherten gegenüber vertreten, welche notwendigen Leistungen sie in Zukunft nicht mehr zu finanzieren gedenken.

Wir werden unseren Protest diesmal nicht in Form von Praxisschließungen oder Straßenaktionen durchführen, sondern wir werden die Arztpraxen zum Zeichen unseres Protestes weiß beflaggen und wir werden unsere Patienten in unseren Wartezimmern auf den Protest hinweisen und sie auffordern, als Wähler dafür zu sorgen, dass wir in Deutschland ein leistungsfähiges Gesundheitssystem mit einer kieznahen, hochqualifizierten ambulanten Haus- und Facharztversorgung einschließlich ambulante Psychotherapie behalten können, die für alle Menschen aller sozialen Schichten zur Verfügung steht.

Der Aktionstag in Berlin ist Teil des Aktionstages aller Ostdeutschen Bundesländer, welcher sich für ein einheitliches Niveau der Gesundheitsversorgung in ganz Deutschland einsetzt und aus diesem Grund auch im zeitlichen Zusammenhang mit dem Tag der deutschen Einheit steht.

 

Mit freundlichem Gruß

Anton Rouwen